CONRAD Trotzdem. Also trotzdem erstaunt mich, dass du. Wie soll ich sagen? Also bewundernswert. MARIA Aber es lag doch auf der Hand. Du hast selbst gesagt: Wir leben an einander vorbei, haben nichts mehr gemeinsam. CONRAD Mir war nicht klar, dass du das genauso siehst. MARIA Was denn sonst? Wenn man ehrlich ist, Conrad. Unser Zusammenleben ist ja wirklich erbärmlich. CONRAD Ach so? MARIA Und dass Frau Biedermann irgendwann Ansprüche stellt. Ich bitte dich. Über kurz oder lang. CONRAD Biederstedt. MARIA Was? CONRAD Biederstedt. Franziska Biederstedt. MARIA Biedermann, Biederstedt. Mein Gott. CONRAD Und sie stellt keine Ansprüche. Die hat überhaupt nichts damit zu tun. MARIA Tatsächlich. CONRAD Weil sie keine Ansprüche stellt. Tut sie nicht. MARIA Das musst du jetzt sagen. CONRAD Nein. Muss ich gar nicht. MARIA Es ist vollkommen unsinnig und überflüssig, sie in Schutz nehmen zu wollen. CONRAD Ich nehme sie nicht in Schutz. Sie ist weit davon entfernt, mir irgendwelchen Druck zu machen. Gar nicht. MARIA Ich mag es nicht, wenn du mich für dumm verkaufst, Conrad. Das beleidigt mich. CONRAD Wieso für dumm verkaufst? MARIA Es ist doch mehr als verständlich und nachvollziehbar, wenn diese Biederstedt wirtschaftlich abgesichert werden möchte, nachdem sie jetzt seit Jahren mit dir ins Bett geht. Die ist doch nicht blöd. CONRAD Musst du so vulgär werden? MARIA Ich habe nicht gesagt, dass sie die Beine breit macht. CONRAD Kannst du aufhören? MARIA Hilf mir halt, wenn dir meine Ausdrucksweise nicht passt. Wie sagt ihr denn dazu? Vögeln? Ficken? CONRAD Ich wusste es. Ich habe es gewusst. Natürlich machst du am Ende doch eine Szene. Was denn sonst? Ich hätte wetten können. MARIA Aber wieso denn Szene? Was denn für eine Szene? CONRAD Dass es nicht möglich ist, die Sache in einem vernünftigen Ton. MARIA Tut mir leid, ich habe keine Ahnung, wie man deiner Meinung nach angemessen reagiert, wenn einem die Scheidung vorgeschlagen wird. CONRAD Vielleicht kannst du Franziska einfach raushalten. Das wäre schon was. MARIA Franziska? CONRAD Du wirst doch nicht ernstlich verlangen, dass ich sie den ganzen Abend Frau Biederstedt nenne. MARIA Jetzt sei doch nicht so gereizt. CONRAD Am Scheitern unserer Ehe ist nicht Frau Biederstedt schuld. Sie nicht. MARIA Natürlich nicht. Die ist ein Kollateralschaden. Schierling von Ulf Stengl Thomas Sessler Verlag GmbH CONRAD Außerdem steht sie am Anfang. MARIA Am Anfang. CONRAD Ja. Franziska. Sie steht noch am Anfang. Und natürlich ist da ihre finanzielle Situation. MARIA Schwierig. CONRAD Ja. Aber sie ist begabt und fleißig und. Sie wird ihren Weg machen, da bin ich sicher. MARIA Ich wünsche es ihr. CONRAD Dieser Wille. Diese Zielstrebigkeit. Das. Weißt du? MARIA Ja. Sehr schön. CONRAD Das nötigt mir größten Respekt ab. MARIA Ach ja. CONRAD Allerhöchsten. MARIA Immerhin. CONRAD Diese jungen Frauen heute. Weißt du, die sind engagiert, die wollen mitmachen, mitgestalten. Ganz großartig. MARIA Tatsächlich. CONRAD Wirtschaftliche Absicherung. Solche Kategorien. Solche Faktoren. Wenn du wüsstest, wie absurd. MARIA Interessant. Ich war sicher, dass eine so junge Frau, die Mitten im Leben steht. Und die ihr sexuelles Potential in eine Beziehung einbringt, dass die im Gegenzug. CONRAD Das tut sie aber nicht. Sie bringt kein sexuelles Potential ein. MARIA Nicht? CONRAD Doch. Natürlich. Aber nicht. Mein Gott, das ist doch kein Handel. Kein Geschäft. Das ist. Wieso rede ich überhaupt mit dir über diesen Schwachsinn? Ich rege mich nur auf. MARIA Tut mir leid. Ich hatte keine Ahnung, dass das ein wunder Punkt ist. CONRAD Das ist kein wunder Punkt. Es gibt keinen wunden Punkt. MARIA Warum reagierst du dann so empfindlich? CONRAD Du stellst sie dar, als ob sie eine geldgeile. Als ob sie irgendeine Nutte wäre, die. MARIA Aber nein. CONRAD Eine geldgierige Schlampe oder. MARIA Ich weiß doch, dass sie Journalistin ist. CONRAD Fotografin. MARIA Fotografin. Jedenfalls keine Prostituierte. Das weiß ich doch. CONRAD Sie ist keine Prostituierte! MARIA Sage ich doch. Natürlich nicht. CONRAD Glaubst du, sie liebt mich nur, weil ich eine gewisse Stellung habe und im Restaurant nicht mehr auf die Preise schauen muss? MARIA Wäre das so schlimm? CONRAD Natürlich wäre das schlimm. MARIA Wozu dann die Mühe? Wofür der ganze Zirkus? CONRAD Was? MARIA Dein ganzes Leben steht im Zeichen deines Aufstiegs. Du hast alles daran gesetzt, um es zu einer guten Position und zu Vermögen zu bringen und einiges dafür geopfert. CONRAD Ja. Einiges. MARIA Wozu denn, wen du dafür nicht bewundert werden willst? CONRAD Du wolltest auch, dass ich erfolgreich bin. MARIA Aber natürlich. CONRAD Wieso kritisierst du es dann? MARIA Ich kritisiere es doch gar nicht. Du strebst nach Erfolg, Vermögen und Macht, um von anderen beneidet, bewundert und begehrt zu werden. CONRAD Ach was. MARIA Aber kaum wirst du wegen dieser hart erkämpften Attribute tatsächlich begehrt, ist es auch nicht recht.
CONRAD Trotzdem. Also trotzdem erstaunt mich, dass du. Wie soll ich sagen? Also bewundernswert. MARIA Aber es lag doch auf der Hand. Du hast selbst gesagt: Wir leben an einander vorbei, haben nichts mehr gemeinsam. CONRAD Mir war nicht klar, dass du das genauso siehst. MARIA Was denn sonst? Wenn man ehrlich ist, Conrad. Unser Zusammenleben ist ja wirklich erbärmlich. CONRAD Ach so? MARIA Und dass Frau Biedermann irgendwann Ansprüche stellt. Ich bitte dich. Über kurz oder lang. CONRAD Biederstedt. MARIA Was? CONRAD Biederstedt. Franziska Biederstedt. MARIA Biedermann, Biederstedt. Mein Gott. CONRAD Und sie stellt keine Ansprüche. Die hat überhaupt nichts damit zu tun. MARIA Tatsächlich. CONRAD Weil sie keine Ansprüche stellt. Tut sie nicht. MARIA Das musst du jetzt sagen. CONRAD Nein. Muss ich gar nicht. MARIA Es ist vollkommen unsinnig und überflüssig, sie in Schutz nehmen zu wollen. CONRAD Ich nehme sie nicht in Schutz. Sie ist weit davon entfernt, mir irgendwelchen Druck zu machen. Gar nicht. MARIA Ich mag es nicht, wenn du mich für dumm verkaufst, Conrad. Das beleidigt mich. CONRAD Wieso für dumm verkaufst? MARIA Es ist doch mehr als verständlich und nachvollziehbar, wenn diese Biederstedt wirtschaftlich abgesichert werden möchte, nachdem sie jetzt seit Jahren mit dir ins Bett geht. Die ist doch nicht blöd. CONRAD Musst du so vulgär werden? MARIA Ich habe nicht gesagt, dass sie die Beine breit macht. CONRAD Kannst du aufhören? MARIA Hilf mir halt, wenn dir meine Ausdrucksweise nicht passt. Wie sagt ihr denn dazu? Vögeln? Ficken? CONRAD Ich wusste es. Ich habe es gewusst. Natürlich machst du am Ende doch eine Szene. Was denn sonst? Ich hätte wetten können. MARIA Aber wieso denn Szene? Was denn für eine Szene? CONRAD Dass es nicht möglich ist, die Sache in einem vernünftigen Ton. MARIA Tut mir leid, ich habe keine Ahnung, wie man deiner Meinung nach angemessen reagiert, wenn einem die Scheidung vorgeschlagen wird. CONRAD Vielleicht kannst du Franziska einfach raushalten. Das wäre schon was. MARIA Franziska? CONRAD Du wirst doch nicht ernstlich verlangen, dass ich sie den ganzen Abend Frau Biederstedt nenne. MARIA Jetzt sei doch nicht so gereizt. CONRAD Am Scheitern unserer Ehe ist nicht Frau Biederstedt schuld. Sie nicht. MARIA Natürlich nicht. Die ist ein Kollateralschaden. Schierling von Ulf Stengl Thomas Sessler Verlag GmbH CONRAD Außerdem steht sie am Anfang. MARIA Am Anfang. CONRAD Ja. Franziska. Sie steht noch am Anfang. Und natürlich ist da ihre finanzielle Situation. MARIA Schwierig. CONRAD Ja. Aber sie ist begabt und fleißig und. Sie wird ihren Weg machen, da bin ich sicher. MARIA Ich wünsche es ihr. CONRAD Dieser Wille. Diese Zielstrebigkeit. Das. Weißt du? MARIA Ja. Sehr schön. CONRAD Das nötigt mir größten Respekt ab. MARIA Ach ja. CONRAD Allerhöchsten. MARIA Immerhin. CONRAD Diese jungen Frauen heute. Weißt du, die sind engagiert, die wollen mitmachen, mitgestalten. Ganz großartig. MARIA Tatsächlich. CONRAD Wirtschaftliche Absicherung. Solche Kategorien. Solche Faktoren. Wenn du wüsstest, wie absurd. MARIA Interessant. Ich war sicher, dass eine so junge Frau, die Mitten im Leben steht. Und die ihr sexuelles Potential in eine Beziehung einbringt, dass die im Gegenzug. CONRAD Das tut sie aber nicht. Sie bringt kein sexuelles Potential ein. MARIA Nicht? CONRAD Doch. Natürlich. Aber nicht. Mein Gott, das ist doch kein Handel. Kein Geschäft. Das ist. Wieso rede ich überhaupt mit dir über diesen Schwachsinn? Ich rege mich nur auf. MARIA Tut mir leid. Ich hatte keine Ahnung, dass das ein wunder Punkt ist. CONRAD Das ist kein wunder Punkt. Es gibt keinen wunden Punkt. MARIA Warum reagierst du dann so empfindlich? CONRAD Du stellst sie dar, als ob sie eine geldgeile. Als ob sie irgendeine Nutte wäre, die. MARIA Aber nein. CONRAD Eine geldgierige Schlampe oder. MARIA Ich weiß doch, dass sie Journalistin ist. CONRAD Fotografin. MARIA Fotografin. Jedenfalls keine Prostituierte. Das weiß ich doch. CONRAD Sie ist keine Prostituierte! MARIA Sage ich doch. Natürlich nicht. CONRAD Glaubst du, sie liebt mich nur, weil ich eine gewisse Stellung habe und im Restaurant nicht mehr auf die Preise schauen muss? MARIA Wäre das so schlimm? CONRAD Natürlich wäre das schlimm. MARIA Wozu dann die Mühe? Wofür der ganze Zirkus? CONRAD Was? MARIA Dein ganzes Leben steht im Zeichen deines Aufstiegs. Du hast alles daran gesetzt, um es zu einer guten Position und zu Vermögen zu bringen und einiges dafür geopfert. CONRAD Ja. Einiges. MARIA Wozu denn, wen du dafür nicht bewundert werden willst? CONRAD Du wolltest auch, dass ich erfolgreich bin. MARIA Aber natürlich. CONRAD Wieso kritisierst du es dann? MARIA Ich kritisiere es doch gar nicht. Du strebst nach Erfolg, Vermögen und Macht, um von anderen beneidet, bewundert und begehrt zu werden. CONRAD Ach was. MARIA Aber kaum wirst du wegen dieser hart erkämpften Attribute tatsächlich begehrt, ist es auch nicht recht.
CONRAD Trotzdem. Also trotzdem erstaunt mich, dass du. Wie soll ich sagen? Also bewundernswert. MARIA Aber es lag doch auf der Hand. Du hast selbst gesagt: Wir leben an einander vorbei, haben nichts mehr gemeinsam. CONRAD Mir war nicht klar, dass du das genauso siehst. MARIA Was denn sonst? Wenn man ehrlich ist, Conrad. Unser Zusammenleben ist ja wirklich erbärmlich. CONRAD Ach so? MARIA Und dass Frau Biedermann irgendwann Ansprüche stellt. Ich bitte dich. Über kurz oder lang. CONRAD Biederstedt. MARIA Was? CONRAD Biederstedt. Franziska Biederstedt. MARIA Biedermann, Biederstedt. Mein Gott. CONRAD Und sie stellt keine Ansprüche. Die hat überhaupt nichts damit zu tun. MARIA Tatsächlich. CONRAD Weil sie keine Ansprüche stellt. Tut sie nicht. MARIA Das musst du jetzt sagen. CONRAD Nein. Muss ich gar nicht. MARIA Es ist vollkommen unsinnig und überflüssig, sie in Schutz nehmen zu wollen. CONRAD Ich nehme sie nicht in Schutz. Sie ist weit davon entfernt, mir irgendwelchen Druck zu machen. Gar nicht. MARIA Ich mag es nicht, wenn du mich für dumm verkaufst, Conrad. Das beleidigt mich. CONRAD Wieso für dumm verkaufst? MARIA Es ist doch mehr als verständlich und nachvollziehbar, wenn diese Biederstedt wirtschaftlich abgesichert werden möchte, nachdem sie jetzt seit Jahren mit dir ins Bett geht. Die ist doch nicht blöd. CONRAD Musst du so vulgär werden? MARIA Ich habe nicht gesagt, dass sie die Beine breit macht. CONRAD Kannst du aufhören? MARIA Hilf mir halt, wenn dir meine Ausdrucksweise nicht passt. Wie sagt ihr denn dazu? Vögeln? Ficken? CONRAD Ich wusste es. Ich habe es gewusst. Natürlich machst du am Ende doch eine Szene. Was denn sonst? Ich hätte wetten können. MARIA Aber wieso denn Szene? Was denn für eine Szene? CONRAD Dass es nicht möglich ist, die Sache in einem vernünftigen Ton. MARIA Tut mir leid, ich habe keine Ahnung, wie man deiner Meinung nach angemessen reagiert, wenn einem die Scheidung vorgeschlagen wird. CONRAD Vielleicht kannst du Franziska einfach raushalten. Das wäre schon was. MARIA Franziska? CONRAD Du wirst doch nicht ernstlich verlangen, dass ich sie den ganzen Abend Frau Biederstedt nenne. MARIA Jetzt sei doch nicht so gereizt. CONRAD Am Scheitern unserer Ehe ist nicht Frau Biederstedt schuld. Sie nicht. MARIA Natürlich nicht. Die ist ein Kollateralschaden. Schierling von Ulf Stengl Thomas Sessler Verlag GmbH CONRAD Außerdem steht sie am Anfang. MARIA Am Anfang. CONRAD Ja. Franziska. Sie steht noch am Anfang. Und natürlich ist da ihre finanzielle Situation. MARIA Schwierig. CONRAD Ja. Aber sie ist begabt und fleißig und. Sie wird ihren Weg machen, da bin ich sicher. MARIA Ich wünsche es ihr. CONRAD Dieser Wille. Diese Zielstrebigkeit. Das. Weißt du? MARIA Ja. Sehr schön. CONRAD Das nötigt mir größten Respekt ab. MARIA Ach ja. CONRAD Allerhöchsten. MARIA Immerhin. CONRAD Diese jungen Frauen heute. Weißt du, die sind engagiert, die wollen mitmachen, mitgestalten. Ganz großartig. MARIA Tatsächlich. CONRAD Wirtschaftliche Absicherung. Solche Kategorien. Solche Faktoren. Wenn du wüsstest, wie absurd. MARIA Interessant. Ich war sicher, dass eine so junge Frau, die Mitten im Leben steht. Und die ihr sexuelles Potential in eine Beziehung einbringt, dass die im Gegenzug. CONRAD Das tut sie aber nicht. Sie bringt kein sexuelles Potential ein. MARIA Nicht? CONRAD Doch. Natürlich. Aber nicht. Mein Gott, das ist doch kein Handel. Kein Geschäft. Das ist. Wieso rede ich überhaupt mit dir über diesen Schwachsinn? Ich rege mich nur auf. MARIA Tut mir leid. Ich hatte keine Ahnung, dass das ein wunder Punkt ist. CONRAD Das ist kein wunder Punkt. Es gibt keinen wunden Punkt. MARIA Warum reagierst du dann so empfindlich? CONRAD Du stellst sie dar, als ob sie eine geldgeile. Als ob sie irgendeine Nutte wäre, die. MARIA Aber nein. CONRAD Eine geldgierige Schlampe oder. MARIA Ich weiß doch, dass sie Journalistin ist. CONRAD Fotografin. MARIA Fotografin. Jedenfalls keine Prostituierte. Das weiß ich doch. CONRAD Sie ist keine Prostituierte! MARIA Sage ich doch. Natürlich nicht. CONRAD Glaubst du, sie liebt mich nur, weil ich eine gewisse Stellung habe und im Restaurant nicht mehr auf die Preise schauen muss? MARIA Wäre das so schlimm? CONRAD Natürlich wäre das schlimm. MARIA Wozu dann die Mühe? Wofür der ganze Zirkus? CONRAD Was? MARIA Dein ganzes Leben steht im Zeichen deines Aufstiegs. Du hast alles daran gesetzt, um es zu einer guten Position und zu Vermögen zu bringen und einiges dafür geopfert. CONRAD Ja. Einiges. MARIA Wozu denn, wen du dafür nicht bewundert werden willst? CONRAD Du wolltest auch, dass ich erfolgreich bin. MARIA Aber natürlich. CONRAD Wieso kritisierst du es dann? MARIA Ich kritisiere es doch gar nicht. Du strebst nach Erfolg, Vermögen und Macht, um von anderen beneidet, bewundert und begehrt zu werden. CONRAD Ach was. MARIA Aber kaum wirst du wegen dieser hart erkämpften Attribute tatsächlich begehrt, ist es auch nicht recht.
CONRAD Trotzdem. Also trotzdem erstaunt mich, dass du. Wie soll ich sagen? Also bewundernswert. MARIA Aber es lag doch auf der Hand. Du hast selbst gesagt: Wir leben an einander vorbei, haben nichts mehr gemeinsam. CONRAD Mir war nicht klar, dass du das genauso siehst. MARIA Was denn sonst? Wenn man ehrlich ist, Conrad. Unser Zusammenleben ist ja wirklich erbärmlich. CONRAD Ach so? MARIA Und dass Frau Biedermann irgendwann Ansprüche stellt. Ich bitte dich. Über kurz oder lang. CONRAD Biederstedt. MARIA Was? CONRAD Biederstedt. Franziska Biederstedt. MARIA Biedermann, Biederstedt. Mein Gott. CONRAD Und sie stellt keine Ansprüche. Die hat überhaupt nichts damit zu tun. MARIA Tatsächlich. CONRAD Weil sie keine Ansprüche stellt. Tut sie nicht. MARIA Das musst du jetzt sagen. CONRAD Nein. Muss ich gar nicht. MARIA Es ist vollkommen unsinnig und überflüssig, sie in Schutz nehmen zu wollen. CONRAD Ich nehme sie nicht in Schutz. Sie ist weit davon entfernt, mir irgendwelchen Druck zu machen. Gar nicht. MARIA Ich mag es nicht, wenn du mich für dumm verkaufst, Conrad. Das beleidigt mich. CONRAD Wieso für dumm verkaufst? MARIA Es ist doch mehr als verständlich und nachvollziehbar, wenn diese Biederstedt wirtschaftlich abgesichert werden möchte, nachdem sie jetzt seit Jahren mit dir ins Bett geht. Die ist doch nicht blöd. CONRAD Musst du so vulgär werden? MARIA Ich habe nicht gesagt, dass sie die Beine breit macht. CONRAD Kannst du aufhören? MARIA Hilf mir halt, wenn dir meine Ausdrucksweise nicht passt. Wie sagt ihr denn dazu? Vögeln? Ficken? CONRAD Ich wusste es. Ich habe es gewusst. Natürlich machst du am Ende doch eine Szene. Was denn sonst? Ich hätte wetten können. MARIA Aber wieso denn Szene? Was denn für eine Szene? CONRAD Dass es nicht möglich ist, die Sache in einem vernünftigen Ton. MARIA Tut mir leid, ich habe keine Ahnung, wie man deiner Meinung nach angemessen reagiert, wenn einem die Scheidung vorgeschlagen wird. CONRAD Vielleicht kannst du Franziska einfach raushalten. Das wäre schon was. MARIA Franziska? CONRAD Du wirst doch nicht ernstlich verlangen, dass ich sie den ganzen Abend Frau Biederstedt nenne. MARIA Jetzt sei doch nicht so gereizt. CONRAD Am Scheitern unserer Ehe ist nicht Frau Biederstedt schuld. Sie nicht. MARIA Natürlich nicht. Die ist ein Kollateralschaden. Schierling von Ulf Stengl Thomas Sessler Verlag GmbH CONRAD Außerdem steht sie am Anfang. MARIA Am Anfang. CONRAD Ja. Franziska. Sie steht noch am Anfang. Und natürlich ist da ihre finanzielle Situation. MARIA Schwierig. CONRAD Ja. Aber sie ist begabt und fleißig und. Sie wird ihren Weg machen, da bin ich sicher. MARIA Ich wünsche es ihr. CONRAD Dieser Wille. Diese Zielstrebigkeit. Das. Weißt du? MARIA Ja. Sehr schön. CONRAD Das nötigt mir größten Respekt ab. MARIA Ach ja. CONRAD Allerhöchsten. MARIA Immerhin. CONRAD Diese jungen Frauen heute. Weißt du, die sind engagiert, die wollen mitmachen, mitgestalten. Ganz großartig. MARIA Tatsächlich. CONRAD Wirtschaftliche Absicherung. Solche Kategorien. Solche Faktoren. Wenn du wüsstest, wie absurd. MARIA Interessant. Ich war sicher, dass eine so junge Frau, die Mitten im Leben steht. Und die ihr sexuelles Potential in eine Beziehung einbringt, dass die im Gegenzug. CONRAD Das tut sie aber nicht. Sie bringt kein sexuelles Potential ein. MARIA Nicht? CONRAD Doch. Natürlich. Aber nicht. Mein Gott, das ist doch kein Handel. Kein Geschäft. Das ist. Wieso rede ich überhaupt mit dir über diesen Schwachsinn? Ich rege mich nur auf. MARIA Tut mir leid. Ich hatte keine Ahnung, dass das ein wunder Punkt ist. CONRAD Das ist kein wunder Punkt. Es gibt keinen wunden Punkt. MARIA Warum reagierst du dann so empfindlich? CONRAD Du stellst sie dar, als ob sie eine geldgeile. Als ob sie irgendeine Nutte wäre, die. MARIA Aber nein. CONRAD Eine geldgierige Schlampe oder. MARIA Ich weiß doch, dass sie Journalistin ist. CONRAD Fotografin. MARIA Fotografin. Jedenfalls keine Prostituierte. Das weiß ich doch. CONRAD Sie ist keine Prostituierte! MARIA Sage ich doch. Natürlich nicht. CONRAD Glaubst du, sie liebt mich nur, weil ich eine gewisse Stellung habe und im Restaurant nicht mehr auf die Preise schauen muss? MARIA Wäre das so schlimm? CONRAD Natürlich wäre das schlimm. MARIA Wozu dann die Mühe? Wofür der ganze Zirkus? CONRAD Was? MARIA Dein ganzes Leben steht im Zeichen deines Aufstiegs. Du hast alles daran gesetzt, um es zu einer guten Position und zu Vermögen zu bringen und einiges dafür geopfert. CONRAD Ja. Einiges. MARIA Wozu denn, wen du dafür nicht bewundert werden willst? CONRAD Du wolltest auch, dass ich erfolgreich bin. MARIA Aber natürlich. CONRAD Wieso kritisierst du es dann? MARIA Ich kritisiere es doch gar nicht. Du strebst nach Erfolg, Vermögen und Macht, um von anderen beneidet, bewundert und begehrt zu werden. CONRAD Ach was. MARIA Aber kaum wirst du wegen dieser hart erkämpften Attribute tatsächlich begehrt, ist es auch nicht recht.
CONRAD Trotzdem. Also trotzdem erstaunt mich, dass du. Wie soll ich sagen? Also bewundernswert. MARIA Aber es lag doch auf der Hand. Du hast selbst gesagt: Wir leben an einander vorbei, haben nichts mehr gemeinsam. CONRAD Mir war nicht klar, dass du das genauso siehst. MARIA Was denn sonst? Wenn man ehrlich ist, Conrad. Unser Zusammenleben ist ja wirklich erbärmlich. CONRAD Ach so? MARIA Und dass Frau Biedermann irgendwann Ansprüche stellt. Ich bitte dich. Über kurz oder lang. CONRAD Biederstedt. MARIA Was? CONRAD Biederstedt. Franziska Biederstedt. MARIA Biedermann, Biederstedt. Mein Gott. CONRAD Und sie stellt keine Ansprüche. Die hat überhaupt nichts damit zu tun. MARIA Tatsächlich. CONRAD Weil sie keine Ansprüche stellt. Tut sie nicht. MARIA Das musst du jetzt sagen. CONRAD Nein. Muss ich gar nicht. MARIA Es ist vollkommen unsinnig und überflüssig, sie in Schutz nehmen zu wollen. CONRAD Ich nehme sie nicht in Schutz. Sie ist weit davon entfernt, mir irgendwelchen Druck zu machen. Gar nicht. MARIA Ich mag es nicht, wenn du mich für dumm verkaufst, Conrad. Das beleidigt mich. CONRAD Wieso für dumm verkaufst? MARIA Es ist doch mehr als verständlich und nachvollziehbar, wenn diese Biederstedt wirtschaftlich abgesichert werden möchte, nachdem sie jetzt seit Jahren mit dir ins Bett geht. Die ist doch nicht blöd. CONRAD Musst du so vulgär werden? MARIA Ich habe nicht gesagt, dass sie die Beine breit macht. CONRAD Kannst du aufhören? MARIA Hilf mir halt, wenn dir meine Ausdrucksweise nicht passt. Wie sagt ihr denn dazu? Vögeln? Ficken? CONRAD Ich wusste es. Ich habe es gewusst. Natürlich machst du am Ende doch eine Szene. Was denn sonst? Ich hätte wetten können. MARIA Aber wieso denn Szene? Was denn für eine Szene? CONRAD Dass es nicht möglich ist, die Sache in einem vernünftigen Ton. MARIA Tut mir leid, ich habe keine Ahnung, wie man deiner Meinung nach angemessen reagiert, wenn einem die Scheidung vorgeschlagen wird. CONRAD Vielleicht kannst du Franziska einfach raushalten. Das wäre schon was. MARIA Franziska? CONRAD Du wirst doch nicht ernstlich verlangen, dass ich sie den ganzen Abend Frau Biederstedt nenne. MARIA Jetzt sei doch nicht so gereizt. CONRAD Am Scheitern unserer Ehe ist nicht Frau Biederstedt schuld. Sie nicht. MARIA Natürlich nicht. Die ist ein Kollateralschaden. Schierling von Ulf Stengl Thomas Sessler Verlag GmbH CONRAD Außerdem steht sie am Anfang. MARIA Am Anfang. CONRAD Ja. Franziska. Sie steht noch am Anfang. Und natürlich ist da ihre finanzielle Situation. MARIA Schwierig. CONRAD Ja. Aber sie ist begabt und fleißig und. Sie wird ihren Weg machen, da bin ich sicher. MARIA Ich wünsche es ihr. CONRAD Dieser Wille. Diese Zielstrebigkeit. Das. Weißt du? MARIA Ja. Sehr schön. CONRAD Das nötigt mir größten Respekt ab. MARIA Ach ja. CONRAD Allerhöchsten. MARIA Immerhin. CONRAD Diese jungen Frauen heute. Weißt du, die sind engagiert, die wollen mitmachen, mitgestalten. Ganz großartig. MARIA Tatsächlich. CONRAD Wirtschaftliche Absicherung. Solche Kategorien. Solche Faktoren. Wenn du wüsstest, wie absurd. MARIA Interessant. Ich war sicher, dass eine so junge Frau, die Mitten im Leben steht. Und die ihr sexuelles Potential in eine Beziehung einbringt, dass die im Gegenzug. CONRAD Das tut sie aber nicht. Sie bringt kein sexuelles Potential ein. MARIA Nicht? CONRAD Doch. Natürlich. Aber nicht. Mein Gott, das ist doch kein Handel. Kein Geschäft. Das ist. Wieso rede ich überhaupt mit dir über diesen Schwachsinn? Ich rege mich nur auf. MARIA Tut mir leid. Ich hatte keine Ahnung, dass das ein wunder Punkt ist. CONRAD Das ist kein wunder Punkt. Es gibt keinen wunden Punkt. MARIA Warum reagierst du dann so empfindlich? CONRAD Du stellst sie dar, als ob sie eine geldgeile. Als ob sie irgendeine Nutte wäre, die. MARIA Aber nein. CONRAD Eine geldgierige Schlampe oder. MARIA Ich weiß doch, dass sie Journalistin ist. CONRAD Fotografin. MARIA Fotografin. Jedenfalls keine Prostituierte. Das weiß ich doch. CONRAD Sie ist keine Prostituierte! MARIA Sage ich doch. Natürlich nicht. CONRAD Glaubst du, sie liebt mich nur, weil ich eine gewisse Stellung habe und im Restaurant nicht mehr auf die Preise schauen muss? MARIA Wäre das so schlimm? CONRAD Natürlich wäre das schlimm. MARIA Wozu dann die Mühe? Wofür der ganze Zirkus? CONRAD Was? MARIA Dein ganzes Leben steht im Zeichen deines Aufstiegs. Du hast alles daran gesetzt, um es zu einer guten Position und zu Vermögen zu bringen und einiges dafür geopfert. CONRAD Ja. Einiges. MARIA Wozu denn, wen du dafür nicht bewundert werden willst? CONRAD Du wolltest auch, dass ich erfolgreich bin. MARIA Aber natürlich. CONRAD Wieso kritisierst du es dann? MARIA Ich kritisiere es doch gar nicht. Du strebst nach Erfolg, Vermögen und Macht, um von anderen beneidet, bewundert und begehrt zu werden. CONRAD Ach was. MARIA Aber kaum wirst du wegen dieser hart erkämpften Attribute tatsächlich begehrt, ist es auch nicht recht.
CONRAD Trotzdem. Also trotzdem erstaunt mich, dass du. Wie soll ich sagen? Also bewundernswert. MARIA Aber es lag doch auf der Hand. Du hast selbst gesagt: Wir leben an einander vorbei, haben nichts mehr gemeinsam. CONRAD Mir war nicht klar, dass du das genauso siehst. MARIA Was denn sonst? Wenn man ehrlich ist, Conrad. Unser Zusammenleben ist ja wirklich erbärmlich. CONRAD Ach so? MARIA Und dass Frau Biedermann irgendwann Ansprüche stellt. Ich bitte dich. Über kurz oder lang. CONRAD Biederstedt. MARIA Was? CONRAD Biederstedt. Franziska Biederstedt. MARIA Biedermann, Biederstedt. Mein Gott. CONRAD Und sie stellt keine Ansprüche. Die hat überhaupt nichts damit zu tun. MARIA Tatsächlich. CONRAD Weil sie keine Ansprüche stellt. Tut sie nicht. MARIA Das musst du jetzt sagen. CONRAD Nein. Muss ich gar nicht. MARIA Es ist vollkommen unsinnig und überflüssig, sie in Schutz nehmen zu wollen. CONRAD Ich nehme sie nicht in Schutz. Sie ist weit davon entfernt, mir irgendwelchen Druck zu machen. Gar nicht. MARIA Ich mag es nicht, wenn du mich für dumm verkaufst, Conrad. Das beleidigt mich. CONRAD Wieso für dumm verkaufst? MARIA Es ist doch mehr als verständlich und nachvollziehbar, wenn diese Biederstedt wirtschaftlich abgesichert werden möchte, nachdem sie jetzt seit Jahren mit dir ins Bett geht. Die ist doch nicht blöd. CONRAD Musst du so vulgär werden? MARIA Ich habe nicht gesagt, dass sie die Beine breit macht. CONRAD Kannst du aufhören? MARIA Hilf mir halt, wenn dir meine Ausdrucksweise nicht passt. Wie sagt ihr denn dazu? Vögeln? Ficken? CONRAD Ich wusste es. Ich habe es gewusst. Natürlich machst du am Ende doch eine Szene. Was denn sonst? Ich hätte wetten können. MARIA Aber wieso denn Szene? Was denn für eine Szene? CONRAD Dass es nicht möglich ist, die Sache in einem vernünftigen Ton. MARIA Tut mir leid, ich habe keine Ahnung, wie man deiner Meinung nach angemessen reagiert, wenn einem die Scheidung vorgeschlagen wird. CONRAD Vielleicht kannst du Franziska einfach raushalten. Das wäre schon was. MARIA Franziska? CONRAD Du wirst doch nicht ernstlich verlangen, dass ich sie den ganzen Abend Frau Biederstedt nenne. MARIA Jetzt sei doch nicht so gereizt. CONRAD Am Scheitern unserer Ehe ist nicht Frau Biederstedt schuld. Sie nicht. MARIA Natürlich nicht. Die ist ein Kollateralschaden. Schierling von Ulf Stengl Thomas Sessler Verlag GmbH CONRAD Außerdem steht sie am Anfang. MARIA Am Anfang. CONRAD Ja. Franziska. Sie steht noch am Anfang. Und natürlich ist da ihre finanzielle Situation. MARIA Schwierig. CONRAD Ja. Aber sie ist begabt und fleißig und. Sie wird ihren Weg machen, da bin ich sicher. MARIA Ich wünsche es ihr. CONRAD Dieser Wille. Diese Zielstrebigkeit. Das. Weißt du? MARIA Ja. Sehr schön. CONRAD Das nötigt mir größten Respekt ab. MARIA Ach ja. CONRAD Allerhöchsten. MARIA Immerhin. CONRAD Diese jungen Frauen heute. Weißt du, die sind engagiert, die wollen mitmachen, mitgestalten. Ganz großartig. MARIA Tatsächlich. CONRAD Wirtschaftliche Absicherung. Solche Kategorien. Solche Faktoren. Wenn du wüsstest, wie absurd. MARIA Interessant. Ich war sicher, dass eine so junge Frau, die Mitten im Leben steht. Und die ihr sexuelles Potential in eine Beziehung einbringt, dass die im Gegenzug. CONRAD Das tut sie aber nicht. Sie bringt kein sexuelles Potential ein. MARIA Nicht? CONRAD Doch. Natürlich. Aber nicht. Mein Gott, das ist doch kein Handel. Kein Geschäft. Das ist. Wieso rede ich überhaupt mit dir über diesen Schwachsinn? Ich rege mich nur auf. MARIA Tut mir leid. Ich hatte keine Ahnung, dass das ein wunder Punkt ist. CONRAD Das ist kein wunder Punkt. Es gibt keinen wunden Punkt. MARIA Warum reagierst du dann so empfindlich? CONRAD Du stellst sie dar, als ob sie eine geldgeile. Als ob sie irgendeine Nutte wäre, die. MARIA Aber nein. CONRAD Eine geldgierige Schlampe oder. MARIA Ich weiß doch, dass sie Journalistin ist. CONRAD Fotografin. MARIA Fotografin. Jedenfalls keine Prostituierte. Das weiß ich doch. CONRAD Sie ist keine Prostituierte! MARIA Sage ich doch. Natürlich nicht. CONRAD Glaubst du, sie liebt mich nur, weil ich eine gewisse Stellung habe und im Restaurant nicht mehr auf die Preise schauen muss? MARIA Wäre das so schlimm? CONRAD Natürlich wäre das schlimm. MARIA Wozu dann die Mühe? Wofür der ganze Zirkus? CONRAD Was? MARIA Dein ganzes Leben steht im Zeichen deines Aufstiegs. Du hast alles daran gesetzt, um es zu einer guten Position und zu Vermögen zu bringen und einiges dafür geopfert. CONRAD Ja. Einiges. MARIA Wozu denn, wen du dafür nicht bewundert werden willst? CONRAD Du wolltest auch, dass ich erfolgreich bin. MARIA Aber natürlich. CONRAD Wieso kritisierst du es dann? MARIA Ich kritisiere es doch gar nicht. Du strebst nach Erfolg, Vermögen und Macht, um von anderen beneidet, bewundert und begehrt zu werden. CONRAD Ach was. MARIA Aber kaum wirst du wegen dieser hart erkämpften Attribute tatsächlich begehrt, ist es auch nicht recht.
CONRAD Trotzdem. Also trotzdem erstaunt mich, dass du. Wie soll ich sagen? Also bewundernswert. MARIA Aber es lag doch auf der Hand. Du hast selbst gesagt: Wir leben an einander vorbei, haben nichts mehr gemeinsam. CONRAD Mir war nicht klar, dass du das genauso siehst. MARIA Was denn sonst? Wenn man ehrlich ist, Conrad. Unser Zusammenleben ist ja wirklich erbärmlich. CONRAD Ach so? MARIA Und dass Frau Biedermann irgendwann Ansprüche stellt. Ich bitte dich. Über kurz oder lang. CONRAD Biederstedt. MARIA Was? CONRAD Biederstedt. Franziska Biederstedt. MARIA Biedermann, Biederstedt. Mein Gott. CONRAD Und sie stellt keine Ansprüche. Die hat überhaupt nichts damit zu tun. MARIA Tatsächlich. CONRAD Weil sie keine Ansprüche stellt. Tut sie nicht. MARIA Das musst du jetzt sagen. CONRAD Nein. Muss ich gar nicht. MARIA Es ist vollkommen unsinnig und überflüssig, sie in Schutz nehmen zu wollen. CONRAD Ich nehme sie nicht in Schutz. Sie ist weit davon entfernt, mir irgendwelchen Druck zu machen. Gar nicht. MARIA Ich mag es nicht, wenn du mich für dumm verkaufst, Conrad. Das beleidigt mich. CONRAD Wieso für dumm verkaufst? MARIA Es ist doch mehr als verständlich und nachvollziehbar, wenn diese Biederstedt wirtschaftlich abgesichert werden möchte, nachdem sie jetzt seit Jahren mit dir ins Bett geht. Die ist doch nicht blöd. CONRAD Musst du so vulgär werden? MARIA Ich habe nicht gesagt, dass sie die Beine breit macht. CONRAD Kannst du aufhören? MARIA Hilf mir halt, wenn dir meine Ausdrucksweise nicht passt. Wie sagt ihr denn dazu? Vögeln? Ficken? CONRAD Ich wusste es. Ich habe es gewusst. Natürlich machst du am Ende doch eine Szene. Was denn sonst? Ich hätte wetten können. MARIA Aber wieso denn Szene? Was denn für eine Szene? CONRAD Dass es nicht möglich ist, die Sache in einem vernünftigen Ton. MARIA Tut mir leid, ich habe keine Ahnung, wie man deiner Meinung nach angemessen reagiert, wenn einem die Scheidung vorgeschlagen wird. CONRAD Vielleicht kannst du Franziska einfach raushalten. Das wäre schon was. MARIA Franziska? CONRAD Du wirst doch nicht ernstlich verlangen, dass ich sie den ganzen Abend Frau Biederstedt nenne. MARIA Jetzt sei doch nicht so gereizt. CONRAD Am Scheitern unserer Ehe ist nicht Frau Biederstedt schuld. Sie nicht. MARIA Natürlich nicht. Die ist ein Kollateralschaden. Schierling von Ulf Stengl Thomas Sessler Verlag GmbH CONRAD Außerdem steht sie am Anfang. MARIA Am Anfang. CONRAD Ja. Franziska. Sie steht noch am Anfang. Und natürlich ist da ihre finanzielle Situation. MARIA Schwierig. CONRAD Ja. Aber sie ist begabt und fleißig und. Sie wird ihren Weg machen, da bin ich sicher. MARIA Ich wünsche es ihr. CONRAD Dieser Wille. Diese Zielstrebigkeit. Das. Weißt du? MARIA Ja. Sehr schön. CONRAD Das nötigt mir größten Respekt ab. MARIA Ach ja. CONRAD Allerhöchsten. MARIA Immerhin. CONRAD Diese jungen Frauen heute. Weißt du, die sind engagiert, die wollen mitmachen, mitgestalten. Ganz großartig. MARIA Tatsächlich. CONRAD Wirtschaftliche Absicherung. Solche Kategorien. Solche Faktoren. Wenn du wüsstest, wie absurd. MARIA Interessant. Ich war sicher, dass eine so junge Frau, die Mitten im Leben steht. Und die ihr sexuelles Potential in eine Beziehung einbringt, dass die im Gegenzug. CONRAD Das tut sie aber nicht. Sie bringt kein sexuelles Potential ein. MARIA Nicht? CONRAD Doch. Natürlich. Aber nicht. Mein Gott, das ist doch kein Handel. Kein Geschäft. Das ist. Wieso rede ich überhaupt mit dir über diesen Schwachsinn? Ich rege mich nur auf. MARIA Tut mir leid. Ich hatte keine Ahnung, dass das ein wunder Punkt ist. CONRAD Das ist kein wunder Punkt. Es gibt keinen wunden Punkt. MARIA Warum reagierst du dann so empfindlich? CONRAD Du stellst sie dar, als ob sie eine geldgeile. Als ob sie irgendeine Nutte wäre, die. MARIA Aber nein. CONRAD Eine geldgierige Schlampe oder. MARIA Ich weiß doch, dass sie Journalistin ist. CONRAD Fotografin. MARIA Fotografin. Jedenfalls keine Prostituierte. Das weiß ich doch. CONRAD Sie ist keine Prostituierte! MARIA Sage ich doch. Natürlich nicht. CONRAD Glaubst du, sie liebt mich nur, weil ich eine gewisse Stellung habe und im Restaurant nicht mehr auf die Preise schauen muss? MARIA Wäre das so schlimm? CONRAD Natürlich wäre das schlimm. MARIA Wozu dann die Mühe? Wofür der ganze Zirkus? CONRAD Was? MARIA Dein ganzes Leben steht im Zeichen deines Aufstiegs. Du hast alles daran gesetzt, um es zu einer guten Position und zu Vermögen zu bringen und einiges dafür geopfert. CONRAD Ja. Einiges. MARIA Wozu denn, wen du dafür nicht bewundert werden willst? CONRAD Du wolltest auch, dass ich erfolgreich bin. MARIA Aber natürlich. CONRAD Wieso kritisierst du es dann? MARIA Ich kritisiere es doch gar nicht. Du strebst nach Erfolg, Vermögen und Macht, um von anderen beneidet, bewundert und begehrt zu werden. CONRAD Ach was. MARIA Aber kaum wirst du wegen dieser hart erkämpften Attribute tatsächlich begehrt, ist es auch nicht recht.