C Wisst ihr, was mich aufregt? Was mich wirklich jedes Mal wahnsinnig macht? Ich benutze eine bestimmte Fluglinie. Ja? Air sonst was. Immer die gleiche. Und über Jahre habe ich mir beim Check in einen Gangplatz ausgesucht. Alle anderen Plätze beengen mich. Es werden ja auch die Sitzreihen immer schmaler. Man bekommt seine Beine nicht mehr unter. Die Fluggesellschaften erwirtschaften ihre Gewinne mit den Embolien und Thrombosen ihrer Kunden. Aber das nur nebenbei. Wenn ich online ein Flugticket bestelle, ist es so, dass man erst mal einen Platz zugewiesen bekommt, und wenn einem der nicht passt, kann man sich gegen eine Gebühr einen anderen aussuchen. F Ist doch in Ordnung. C Ja. Dachte ich auch. Zahle ich eben. Aber jetzt erklären Sie mir Folgendes: Jedes mal, wenn ich ein Ticket buche, bekomme ich zufällig einen Fensterplatz zugewiesen. F Na ja. Die wissen ja, dass Sie lieber am Gang sitzen. Haben Sie ja oft genug mitgeteilt. C Ist das nicht eine Schweinerei? Ist das nicht widerwärtig? Ich könnte sofort kotzen, wenn ich daran denke. F Was regt Sie so auf? C Was mich aufregt? Ich zahle nicht etwa extra um in den Genuss eines Privilegs zu kommen. Eines Vorzugs, der einen Mehraufwand auf Seiten der Fluggesellschaft bedeutet. Das würde ich verstehen. Nein, ich zahle dafür, dass mir die Fluggesellschaft keine Schmerzen zufügt. Dafür zahle ich. Der Mehraufwand dieser Drecksäue besteht darin, mich extra auf den Platz zu setzen, der mir Panik und Unwohlsein verursacht. Das ist Erpressung. Wegelagerei. Nichts anderes. Demnächst werden sie verlangen, dass ich dafür zahle, dass sie mir keine Reiszwecken unter den Hintern streuen, diese verdammten Arschgeigen. Das. Genau das ist für mich zutiefst unmoralisch. Genau das. Wie kommt das Gute in die Welt Theaterstück für sechs Personen von Ulf Stengl © Ulf Stengl, Kleinmachnow 2017 A Irgendwann muss das angefangen haben. Irgendwann hat der Stärkste begonnen, seine eigenen Bedürfnisse gegenüber den Interessen der anderen zurückzunehmen. Hintanzustellen. Irgendwann hat sich das Allgemeinwohl als Wert gegen das individuelle Wohl durchgesetzt. Und das ist die Grundlage der Zivilisation. Oder? Irgendwann hat der Stärkere dem Schwächeren nicht mehr einfach aufs Maul gegeben, obwohl er es gekonnt hätte, sondern ihm Rechte zugestanden. Rechte, die der Schwächere gegen den Stärkeren beanspruchen konnte. C Weil der auch mal schlafen muss, der Stärkste. A Vielleicht. E Oder er muss sich hinhocken um zu kacken. Und damit verliert er die Übersicht. A Könnt ihr vielleicht einen Moment lang seriös bleiben? Ich meine das ernst. E Ja. Ich doch auch. Aber wenn man sich hinhockt und kackt, verliert man den Überblick. Das ist so. C Und dann braucht auch der Stärkste einen, der aufpasst. E Aber nicht den Zweitstärksten. Vor dem muss er ja beschützt werden. A Jetzt kommt. C Nein. Lieber den Klügsten. E Auch gefährlich. C Also den Drittstärksten aber Zweitblödesten. Weil der Blödeste ist auch nix. A Könnt ihr bitte aufhören? Das ist Blödsinn. E Aber der Drittstärkste ist ja schwächer als der Zweitstärkste. Was machen wir jetzt?
C Wisst ihr, was mich aufregt? Was mich wirklich jedes Mal wahnsinnig macht? Ich benutze eine bestimmte Fluglinie. Ja? Air sonst was. Immer die gleiche. Und über Jahre habe ich mir beim Check in einen Gangplatz ausgesucht. Alle anderen Plätze beengen mich. Es werden ja auch die Sitzreihen immer schmaler. Man bekommt seine Beine nicht mehr unter. Die Fluggesellschaften erwirtschaften ihre Gewinne mit den Embolien und Thrombosen ihrer Kunden. Aber das nur nebenbei. Wenn ich online ein Flugticket bestelle, ist es so, dass man erst mal einen Platz zugewiesen bekommt, und wenn einem der nicht passt, kann man sich gegen eine Gebühr einen anderen aussuchen. F Ist doch in Ordnung. C Ja. Dachte ich auch. Zahle ich eben. Aber jetzt erklären Sie mir Folgendes: Jedes mal, wenn ich ein Ticket buche, bekomme ich zufällig einen Fensterplatz zugewiesen. F Na ja. Die wissen ja, dass Sie lieber am Gang sitzen. Haben Sie ja oft genug mitgeteilt. C Ist das nicht eine Schweinerei? Ist das nicht widerwärtig? Ich könnte sofort kotzen, wenn ich daran denke. F Was regt Sie so auf? C Was mich aufregt? Ich zahle nicht etwa extra um in den Genuss eines Privilegs zu kommen. Eines Vorzugs, der einen Mehraufwand auf Seiten der Fluggesellschaft bedeutet. Das würde ich verstehen. Nein, ich zahle dafür, dass mir die Fluggesellschaft keine Schmerzen zufügt. Dafür zahle ich. Der Mehraufwand dieser Drecksäue besteht darin, mich extra auf den Platz zu setzen, der mir Panik und Unwohlsein verursacht. Das ist Erpressung. Wegelagerei. Nichts anderes. Demnächst werden sie verlangen, dass ich dafür zahle, dass sie mir keine Reiszwecken unter den Hintern streuen, diese verdammten Arschgeigen. Das. Genau das ist für mich zutiefst unmoralisch. Genau das. Wie kommt das Gute in die Welt Theaterstück für sechs Personen von Ulf Stengl © Ulf Stengl, Kleinmachnow 2017 A Irgendwann muss das angefangen haben. Irgendwann hat der Stärkste begonnen, seine eigenen Bedürfnisse gegenüber den Interessen der anderen zurückzunehmen. Hintanzustellen. Irgendwann hat sich das Allgemeinwohl als Wert gegen das individuelle Wohl durchgesetzt. Und das ist die Grundlage der Zivilisation. Oder? Irgendwann hat der Stärkere dem Schwächeren nicht mehr einfach aufs Maul gegeben, obwohl er es gekonnt hätte, sondern ihm Rechte zugestanden. Rechte, die der Schwächere gegen den Stärkeren beanspruchen konnte. C Weil der auch mal schlafen muss, der Stärkste. A Vielleicht. E Oder er muss sich hinhocken um zu kacken. Und damit verliert er die Übersicht. A Könnt ihr vielleicht einen Moment lang seriös bleiben? Ich meine das ernst. E Ja. Ich doch auch. Aber wenn man sich hinhockt und kackt, verliert man den Überblick. Das ist so. C Und dann braucht auch der Stärkste einen, der aufpasst. E Aber nicht den Zweitstärksten. Vor dem muss er ja beschützt werden. A Jetzt kommt. C Nein. Lieber den Klügsten. E Auch gefährlich. C Also den Drittstärksten aber Zweitblödesten. Weil der Blödeste ist auch nix. A Könnt ihr bitte aufhören? Das ist Blödsinn. E Aber der Drittstärkste ist ja schwächer als der Zweitstärkste. Was machen wir jetzt?
C Wisst ihr, was mich aufregt? Was mich wirklich jedes Mal wahnsinnig macht? Ich benutze eine bestimmte Fluglinie. Ja? Air sonst was. Immer die gleiche. Und über Jahre habe ich mir beim Check in einen Gangplatz ausgesucht. Alle anderen Plätze beengen mich. Es werden ja auch die Sitzreihen immer schmaler. Man bekommt seine Beine nicht mehr unter. Die Fluggesellschaften erwirtschaften ihre Gewinne mit den Embolien und Thrombosen ihrer Kunden. Aber das nur nebenbei. Wenn ich online ein Flugticket bestelle, ist es so, dass man erst mal einen Platz zugewiesen bekommt, und wenn einem der nicht passt, kann man sich gegen eine Gebühr einen anderen aussuchen. F Ist doch in Ordnung. C Ja. Dachte ich auch. Zahle ich eben. Aber jetzt erklären Sie mir Folgendes: Jedes mal, wenn ich ein Ticket buche, bekomme ich zufällig einen Fensterplatz zugewiesen. F Na ja. Die wissen ja, dass Sie lieber am Gang sitzen. Haben Sie ja oft genug mitgeteilt. C Ist das nicht eine Schweinerei? Ist das nicht widerwärtig? Ich könnte sofort kotzen, wenn ich daran denke. F Was regt Sie so auf? C Was mich aufregt? Ich zahle nicht etwa extra um in den Genuss eines Privilegs zu kommen. Eines Vorzugs, der einen Mehraufwand auf Seiten der Fluggesellschaft bedeutet. Das würde ich verstehen. Nein, ich zahle dafür, dass mir die Fluggesellschaft keine Schmerzen zufügt. Dafür zahle ich. Der Mehraufwand dieser Drecksäue besteht darin, mich extra auf den Platz zu setzen, der mir Panik und Unwohlsein verursacht. Das ist Erpressung. Wegelagerei. Nichts anderes. Demnächst werden sie verlangen, dass ich dafür zahle, dass sie mir keine Reiszwecken unter den Hintern streuen, diese verdammten Arschgeigen. Das. Genau das ist für mich zutiefst unmoralisch. Genau das. Wie kommt das Gute in die Welt Theaterstück für sechs Personen von Ulf Stengl © Ulf Stengl, Kleinmachnow 2017 A Irgendwann muss das angefangen haben. Irgendwann hat der Stärkste begonnen, seine eigenen Bedürfnisse gegenüber den Interessen der anderen zurückzunehmen. Hintanzustellen. Irgendwann hat sich das Allgemeinwohl als Wert gegen das individuelle Wohl durchgesetzt. Und das ist die Grundlage der Zivilisation. Oder? Irgendwann hat der Stärkere dem Schwächeren nicht mehr einfach aufs Maul gegeben, obwohl er es gekonnt hätte, sondern ihm Rechte zugestanden. Rechte, die der Schwächere gegen den Stärkeren beanspruchen konnte. C Weil der auch mal schlafen muss, der Stärkste. A Vielleicht. E Oder er muss sich hinhocken um zu kacken. Und damit verliert er die Übersicht. A Könnt ihr vielleicht einen Moment lang seriös bleiben? Ich meine das ernst. E Ja. Ich doch auch. Aber wenn man sich hinhockt und kackt, verliert man den Überblick. Das ist so. C Und dann braucht auch der Stärkste einen, der aufpasst. E Aber nicht den Zweitstärksten. Vor dem muss er ja beschützt werden. A Jetzt kommt. C Nein. Lieber den Klügsten. E Auch gefährlich. C Also den Drittstärksten aber Zweitblödesten. Weil der Blödeste ist auch nix. A Könnt ihr bitte aufhören? Das ist Blödsinn. E Aber der Drittstärkste ist ja schwächer als der Zweitstärkste. Was machen wir jetzt?
C Wisst ihr, was mich aufregt? Was mich wirklich jedes Mal wahnsinnig macht? Ich benutze eine bestimmte Fluglinie. Ja? Air sonst was. Immer die gleiche. Und über Jahre habe ich mir beim Check in einen Gangplatz ausgesucht. Alle anderen Plätze beengen mich. Es werden ja auch die Sitzreihen immer schmaler. Man bekommt seine Beine nicht mehr unter. Die Fluggesellschaften erwirtschaften ihre Gewinne mit den Embolien und Thrombosen ihrer Kunden. Aber das nur nebenbei. Wenn ich online ein Flugticket bestelle, ist es so, dass man erst mal einen Platz zugewiesen bekommt, und wenn einem der nicht passt, kann man sich gegen eine Gebühr einen anderen aussuchen. F Ist doch in Ordnung. C Ja. Dachte ich auch. Zahle ich eben. Aber jetzt erklären Sie mir Folgendes: Jedes mal, wenn ich ein Ticket buche, bekomme ich zufällig einen Fensterplatz zugewiesen. F Na ja. Die wissen ja, dass Sie lieber am Gang sitzen. Haben Sie ja oft genug mitgeteilt. C Ist das nicht eine Schweinerei? Ist das nicht widerwärtig? Ich könnte sofort kotzen, wenn ich daran denke. F Was regt Sie so auf? C Was mich aufregt? Ich zahle nicht etwa extra um in den Genuss eines Privilegs zu kommen. Eines Vorzugs, der einen Mehraufwand auf Seiten der Fluggesellschaft bedeutet. Das würde ich verstehen. Nein, ich zahle dafür, dass mir die Fluggesellschaft keine Schmerzen zufügt. Dafür zahle ich. Der Mehraufwand dieser Drecksäue besteht darin, mich extra auf den Platz zu setzen, der mir Panik und Unwohlsein verursacht. Das ist Erpressung. Wegelagerei. Nichts anderes. Demnächst werden sie verlangen, dass ich dafür zahle, dass sie mir keine Reiszwecken unter den Hintern streuen, diese verdammten Arschgeigen. Das. Genau das ist für mich zutiefst unmoralisch. Genau das. Wie kommt das Gute in die Welt Theaterstück für sechs Personen von Ulf Stengl © Ulf Stengl, Kleinmachnow 2017 A Irgendwann muss das angefangen haben. Irgendwann hat der Stärkste begonnen, seine eigenen Bedürfnisse gegenüber den Interessen der anderen zurückzunehmen. Hintanzustellen. Irgendwann hat sich das Allgemeinwohl als Wert gegen das individuelle Wohl durchgesetzt. Und das ist die Grundlage der Zivilisation. Oder? Irgendwann hat der Stärkere dem Schwächeren nicht mehr einfach aufs Maul gegeben, obwohl er es gekonnt hätte, sondern ihm Rechte zugestanden. Rechte, die der Schwächere gegen den Stärkeren beanspruchen konnte. C Weil der auch mal schlafen muss, der Stärkste. A Vielleicht. E Oder er muss sich hinhocken um zu kacken. Und damit verliert er die Übersicht. A Könnt ihr vielleicht einen Moment lang seriös bleiben? Ich meine das ernst. E Ja. Ich doch auch. Aber wenn man sich hinhockt und kackt, verliert man den Überblick. Das ist so. C Und dann braucht auch der Stärkste einen, der aufpasst. E Aber nicht den Zweitstärksten. Vor dem muss er ja beschützt werden. A Jetzt kommt. C Nein. Lieber den Klügsten. E Auch gefährlich. C Also den Drittstärksten aber Zweitblödesten. Weil der Blödeste ist auch nix. A Könnt ihr bitte aufhören? Das ist Blödsinn. E Aber der Drittstärkste ist ja schwächer als der Zweitstärkste. Was machen wir jetzt?
C Wisst ihr, was mich aufregt? Was mich wirklich jedes Mal wahnsinnig macht? Ich benutze eine bestimmte Fluglinie. Ja? Air sonst was. Immer die gleiche. Und über Jahre habe ich mir beim Check in einen Gangplatz ausgesucht. Alle anderen Plätze beengen mich. Es werden ja auch die Sitzreihen immer schmaler. Man bekommt seine Beine nicht mehr unter. Die Fluggesellschaften erwirtschaften ihre Gewinne mit den Embolien und Thrombosen ihrer Kunden. Aber das nur nebenbei. Wenn ich online ein Flugticket bestelle, ist es so, dass man erst mal einen Platz zugewiesen bekommt, und wenn einem der nicht passt, kann man sich gegen eine Gebühr einen anderen aussuchen. F Ist doch in Ordnung. C Ja. Dachte ich auch. Zahle ich eben. Aber jetzt erklären Sie mir Folgendes: Jedes mal, wenn ich ein Ticket buche, bekomme ich zufällig einen Fensterplatz zugewiesen. F Na ja. Die wissen ja, dass Sie lieber am Gang sitzen. Haben Sie ja oft genug mitgeteilt. C Ist das nicht eine Schweinerei? Ist das nicht widerwärtig? Ich könnte sofort kotzen, wenn ich daran denke. F Was regt Sie so auf? C Was mich aufregt? Ich zahle nicht etwa extra um in den Genuss eines Privilegs zu kommen. Eines Vorzugs, der einen Mehraufwand auf Seiten der Fluggesellschaft bedeutet. Das würde ich verstehen. Nein, ich zahle dafür, dass mir die Fluggesellschaft keine Schmerzen zufügt. Dafür zahle ich. Der Mehraufwand dieser Drecksäue besteht darin, mich extra auf den Platz zu setzen, der mir Panik und Unwohlsein verursacht. Das ist Erpressung. Wegelagerei. Nichts anderes. Demnächst werden sie verlangen, dass ich dafür zahle, dass sie mir keine Reiszwecken unter den Hintern streuen, diese verdammten Arschgeigen. Das. Genau das ist für mich zutiefst unmoralisch. Genau das. Wie kommt das Gute in die Welt Theaterstück für sechs Personen von Ulf Stengl © Ulf Stengl, Kleinmachnow 2017 A Irgendwann muss das angefangen haben. Irgendwann hat der Stärkste begonnen, seine eigenen Bedürfnisse gegenüber den Interessen der anderen zurückzunehmen. Hintanzustellen. Irgendwann hat sich das Allgemeinwohl als Wert gegen das individuelle Wohl durchgesetzt. Und das ist die Grundlage der Zivilisation. Oder? Irgendwann hat der Stärkere dem Schwächeren nicht mehr einfach aufs Maul gegeben, obwohl er es gekonnt hätte, sondern ihm Rechte zugestanden. Rechte, die der Schwächere gegen den Stärkeren beanspruchen konnte. C Weil der auch mal schlafen muss, der Stärkste. A Vielleicht. E Oder er muss sich hinhocken um zu kacken. Und damit verliert er die Übersicht. A Könnt ihr vielleicht einen Moment lang seriös bleiben? Ich meine das ernst. E Ja. Ich doch auch. Aber wenn man sich hinhockt und kackt, verliert man den Überblick. Das ist so. C Und dann braucht auch der Stärkste einen, der aufpasst. E Aber nicht den Zweitstärksten. Vor dem muss er ja beschützt werden. A Jetzt kommt. C Nein. Lieber den Klügsten. E Auch gefährlich. C Also den Drittstärksten aber Zweitblödesten. Weil der Blödeste ist auch nix. A Könnt ihr bitte aufhören? Das ist Blödsinn. E Aber der Drittstärkste ist ja schwächer als der Zweitstärkste. Was machen wir jetzt?
C Wisst ihr, was mich aufregt? Was mich wirklich jedes Mal wahnsinnig macht? Ich benutze eine bestimmte Fluglinie. Ja? Air sonst was. Immer die gleiche. Und über Jahre habe ich mir beim Check in einen Gangplatz ausgesucht. Alle anderen Plätze beengen mich. Es werden ja auch die Sitzreihen immer schmaler. Man bekommt seine Beine nicht mehr unter. Die Fluggesellschaften erwirtschaften ihre Gewinne mit den Embolien und Thrombosen ihrer Kunden. Aber das nur nebenbei. Wenn ich online ein Flugticket bestelle, ist es so, dass man erst mal einen Platz zugewiesen bekommt, und wenn einem der nicht passt, kann man sich gegen eine Gebühr einen anderen aussuchen. F Ist doch in Ordnung. C Ja. Dachte ich auch. Zahle ich eben. Aber jetzt erklären Sie mir Folgendes: Jedes mal, wenn ich ein Ticket buche, bekomme ich zufällig einen Fensterplatz zugewiesen. F Na ja. Die wissen ja, dass Sie lieber am Gang sitzen. Haben Sie ja oft genug mitgeteilt. C Ist das nicht eine Schweinerei? Ist das nicht widerwärtig? Ich könnte sofort kotzen, wenn ich daran denke. F Was regt Sie so auf? C Was mich aufregt? Ich zahle nicht etwa extra um in den Genuss eines Privilegs zu kommen. Eines Vorzugs, der einen Mehraufwand auf Seiten der Fluggesellschaft bedeutet. Das würde ich verstehen. Nein, ich zahle dafür, dass mir die Fluggesellschaft keine Schmerzen zufügt. Dafür zahle ich. Der Mehraufwand dieser Drecksäue besteht darin, mich extra auf den Platz zu setzen, der mir Panik und Unwohlsein verursacht. Das ist Erpressung. Wegelagerei. Nichts anderes. Demnächst werden sie verlangen, dass ich dafür zahle, dass sie mir keine Reiszwecken unter den Hintern streuen, diese verdammten Arschgeigen. Das. Genau das ist für mich zutiefst unmoralisch. Genau das. Wie kommt das Gute in die Welt Theaterstück für sechs Personen von Ulf Stengl © Ulf Stengl, Kleinmachnow 2017 A Irgendwann muss das angefangen haben. Irgendwann hat der Stärkste begonnen, seine eigenen Bedürfnisse gegenüber den Interessen der anderen zurückzunehmen. Hintanzustellen. Irgendwann hat sich das Allgemeinwohl als Wert gegen das individuelle Wohl durchgesetzt. Und das ist die Grundlage der Zivilisation. Oder? Irgendwann hat der Stärkere dem Schwächeren nicht mehr einfach aufs Maul gegeben, obwohl er es gekonnt hätte, sondern ihm Rechte zugestanden. Rechte, die der Schwächere gegen den Stärkeren beanspruchen konnte. C Weil der auch mal schlafen muss, der Stärkste. A Vielleicht. E Oder er muss sich hinhocken um zu kacken. Und damit verliert er die Übersicht. A Könnt ihr vielleicht einen Moment lang seriös bleiben? Ich meine das ernst. E Ja. Ich doch auch. Aber wenn man sich hinhockt und kackt, verliert man den Überblick. Das ist so. C Und dann braucht auch der Stärkste einen, der aufpasst. E Aber nicht den Zweitstärksten. Vor dem muss er ja beschützt werden. A Jetzt kommt. C Nein. Lieber den Klügsten. E Auch gefährlich. C Also den Drittstärksten aber Zweitblödesten. Weil der Blödeste ist auch nix. A Könnt ihr bitte aufhören? Das ist Blödsinn. E Aber der Drittstärkste ist ja schwächer als der Zweitstärkste. Was machen wir jetzt?
C Wisst ihr, was mich aufregt? Was mich wirklich jedes Mal wahnsinnig macht? Ich benutze eine bestimmte Fluglinie. Ja? Air sonst was. Immer die gleiche. Und über Jahre habe ich mir beim Check in einen Gangplatz ausgesucht. Alle anderen Plätze beengen mich. Es werden ja auch die Sitzreihen immer schmaler. Man bekommt seine Beine nicht mehr unter. Die Fluggesellschaften erwirtschaften ihre Gewinne mit den Embolien und Thrombosen ihrer Kunden. Aber das nur nebenbei. Wenn ich online ein Flugticket bestelle, ist es so, dass man erst mal einen Platz zugewiesen bekommt, und wenn einem der nicht passt, kann man sich gegen eine Gebühr einen anderen aussuchen. F Ist doch in Ordnung. C Ja. Dachte ich auch. Zahle ich eben. Aber jetzt erklären Sie mir Folgendes: Jedes mal, wenn ich ein Ticket buche, bekomme ich zufällig einen Fensterplatz zugewiesen. F Na ja. Die wissen ja, dass Sie lieber am Gang sitzen. Haben Sie ja oft genug mitgeteilt. C Ist das nicht eine Schweinerei? Ist das nicht widerwärtig? Ich könnte sofort kotzen, wenn ich daran denke. F Was regt Sie so auf? C Was mich aufregt? Ich zahle nicht etwa extra um in den Genuss eines Privilegs zu kommen. Eines Vorzugs, der einen Mehraufwand auf Seiten der Fluggesellschaft bedeutet. Das würde ich verstehen. Nein, ich zahle dafür, dass mir die Fluggesellschaft keine Schmerzen zufügt. Dafür zahle ich. Der Mehraufwand dieser Drecksäue besteht darin, mich extra auf den Platz zu setzen, der mir Panik und Unwohlsein verursacht. Das ist Erpressung. Wegelagerei. Nichts anderes. Demnächst werden sie verlangen, dass ich dafür zahle, dass sie mir keine Reiszwecken unter den Hintern streuen, diese verdammten Arschgeigen. Das. Genau das ist für mich zutiefst unmoralisch. Genau das. Wie kommt das Gute in die Welt Theaterstück für sechs Personen von Ulf Stengl © Ulf Stengl, Kleinmachnow 2017 A Irgendwann muss das angefangen haben. Irgendwann hat der Stärkste begonnen, seine eigenen Bedürfnisse gegenüber den Interessen der anderen zurückzunehmen. Hintanzustellen. Irgendwann hat sich das Allgemeinwohl als Wert gegen das individuelle Wohl durchgesetzt. Und das ist die Grundlage der Zivilisation. Oder? Irgendwann hat der Stärkere dem Schwächeren nicht mehr einfach aufs Maul gegeben, obwohl er es gekonnt hätte, sondern ihm Rechte zugestanden. Rechte, die der Schwächere gegen den Stärkeren beanspruchen konnte. C Weil der auch mal schlafen muss, der Stärkste. A Vielleicht. E Oder er muss sich hinhocken um zu kacken. Und damit verliert er die Übersicht. A Könnt ihr vielleicht einen Moment lang seriös bleiben? Ich meine das ernst. E Ja. Ich doch auch. Aber wenn man sich hinhockt und kackt, verliert man den Überblick. Das ist so. C Und dann braucht auch der Stärkste einen, der aufpasst. E Aber nicht den Zweitstärksten. Vor dem muss er ja beschützt werden. A Jetzt kommt. C Nein. Lieber den Klügsten. E Auch gefährlich. C Also den Drittstärksten aber Zweitblödesten. Weil der Blödeste ist auch nix. A Könnt ihr bitte aufhören? Das ist Blödsinn. E Aber der Drittstärkste ist ja schwächer als der Zweitstärkste. Was machen wir jetzt?